Das Lebensbild von Christoph Wilhelm Hufeland

Sucht man in der deutschen Medizingeschichte nach einem Sinnbild für einen weisen und gütigen Hausarzt, der über die Sorge und den Körper auch am allgemeinen Ergehen teil hatte, so hat man dieses ganz sicher in Hufeland gefunden. Wir haben es hier mit einem zu seiner Zeit sehr einflussreichen Arzt zu tun, dessen Einfluss selbst heute noch über die nach ihm benannte Hufeland-Gesellschaft weiterbesteht. 
Hufeland wurde 1762 in Langensalza in Thüringen geboren. Sowohl sein Großvater als auch sein Vater waren Ärzte, so dass es vorgezeichnet war, dass auch er diesen Berufsweg einschlug. Nach seinem Medizinstudium in Jena und Göttingen übernahm er die Praxis seines zunehmend erblindenden Vaters und wurde von diesem in die praktische ärztliche Tätigkeit sowohl in Weimar als auch im umgebenden Land eingeführt. In dieser Zeit konnte er unter anderem Goethe, Schiller und Herder als seine Patienten bezeichnen. In dieser Zeit wurde auf Anregung Hufelands das erste deutsche Leichenschauhaus in Weimar gebaut. Hierbei wurde schon eines der Generalthemen Hufelands sichtbar, der sich mit den Bedingungen für ein langes und gesundes Leben und wiederum in diesem Rahmen mit der Gefahr des Scheintodes, die damals noch wesentlich präsenter war, beschäftigte.
Nach Weimar wechselte Hufeland für eine Jahre als Professor nach Jena, wo er sich weiterhin in der medizinischen Forschung einen Namen machte und unter der medizinischen Studenten sehr beliebt war. 
Dieser zwischenzeitlich excellente Ruf von Hufeland führte dazu, dass er als königlicher Leibarzt an den Hof nach Berlin zu Friedrich Wilhelm II gerufen wurde. Dort war er auch gleichzeitig ärztlicher Direktor an der Charité. Sein in stets auszeichnender Fleiß wurde z.B. daran sichtbar, dass er neben seinem Lehramt noch täglich ungefähr 7 Stunden Hausbesuche bei Kranken machte. In Berlin war er an den preußischen Reformen in seinem Fachbereich wesentlich beteiligt und kann deshalb zurecht als Sozialreformer und Sozialhygieniker bezeichnet werden. Die Armenfürsorge war ein besonderes Anliegen von ihm. Er sorgte für die Einführung der Pockenschutzimpfung und hatte damit wesentlichen Einfluss auf die Eindämmung dieser Erkrankung. Er nahm auch eine wesentliche Rolle bei der Gründung der Universität in Berlin ein. 
Hufelands medizinisches Grundverständnis beruhte wie bei Hippokrates auf der Annahme einer Lebenskraft. Darunter verstand er die Dynamik des menschlichen Organismus zur Selbsterhaltung. Er war ein Verfechter einer sanften Behandlung im Gegensatz zu einer „heroischen Medizin“, die viele seiner Kollegen zu der Zeit praktizierten. Dabei sprach er sich für eine  Nutzung der Heilkraft der Natur (vis medicatrix naturae) und Anwendung von Diätetik und physikalischer Therapie aus. Mit diesem Verständnis und seiner glaubwürdigen und überzeugenden Persönlichkeit hatte er großen Einfluss auf die Naturheilkunde ab dem 19. Jahrhundert und er kann wohl zurecht als einer der Stammväter der Naturheilkunde angesehen werden.